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Finanzkrise - Schuld ist nicht der Kapitalismus, sondern die Raffgier

 
Verlorenes Geld
Verlorenes Geld

"Kennen Sie den Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus?
Im Kommunismus wird erst verstaatlicht und dann ruiniert. Der Kapitalismus ruiniert erst und dann wird verstaatlicht."

Angesichts der andauernden weltweiten Finanzkrise ist Humor wohl der einzige Ausweg, denn genau genommen ist die Krise ein weiteres trauriges Lehrstück zum raffgierigen Verhalten vieler Menschen und dessen ruinösen Folgen.

Um die Folgen von Raffgier zu verstehen, sei es erlaubt, sich einmal kurz von der Finanzkrise zu entfernen. Dieser Schritt ist nötig, weil die Krise mit ihren vielfältigen Ursachen zu abstrakt ist.

Ein konkretes und damit einfaches Beispiel wäre die Vorstellung von einem See mit 100 Fischen. Diese 100 Fische können im Jahr einen Nachwuchs von 10 Fischen zeugen, d.h. 10 Fische sind für einen "Nachwuchsfisch" von Nöten. Die Fischdamen sind eben wäherlisch und brauchen mehrere Anläufe.

Da es sich um sehr kostbare Fische handelt, gibt es 5 Fischer, die am See miteinander konkurrieren. Des Weiteren ist zu sagen, dass jeder Fischer nur einen Fisch benötigt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Jeder weitere Fisch wäre dementsprechend ein Gewinn.

Ein paar Fischer sind sehr gierig, weshalb im 1. Jahr ingesamt 40 Fische gefischt werden. Im Folgejahr bewohnen deshalb nur 66 Fische den See (60 aus dem Vorjahr + 6 Nachwuchsfische).

Weil sich einige Fischer durch das Verhalten der anderen benachteiligt fühlen, werden im 2. Jahr ingesamt 50 Fische gefangen. Im 3. Jahr befinden sich also nur noch 17 Fische im Teich.

Was ist passiert? Die Fischer haben durch ihr Verhalten ihre Existenzgrundlage fast zerstört. Dass das Verhalten raffgierig war, ist leicht zu erkennen, denn wie weiter oben erwähnt, ist jeder 2. gefangene Fisch ein Zugewinn im Wert von einem Fischer-Lebensunterhalt. Fünf Fische pro Jahr hätten für jeden Fischer ausgereicht, zumal der See bei einem Fang von 25 Fischen nicht ausgebeutet worden wäre.

In diesem Beispiel geht es nicht darum zu zeigen, dass jeder Fischer im Optimalfall genau fünf Fische fängt. Es dürfen auch mal sechs oder nur drei sein. Es soll aber durch überspitzt dargestellte Verhalten der Fischer zeigen, dass raffgieres Verhalten meistens weitreichende - zerstörerische - Konsequenzen hat.

Blickt man nun auf die Finanzkrise zurück, muss man zwangsläufig zum Ergebnis kommen, dass das Verhalten anders als mit Raffgier nicht zu erklären ist.

Die Ausgangssituation war, dass in den USA der Immobilienmarkt boomte. Viele Amerikaner kauften sich ein Haus auf Kredit. Die Banken vergaben auch bzw. vor allem Kredite an Menschen, die hier zu Lande als nicht kreditwürdig eingestuft worden wären. Die Überlegung war, dass die Bank im Falle eines Kreditausfalls wenigstens das Haus besäße. Bei einem boomenden Immobilienmarkt eine lukrative Vorstellung, die aber leider einen kleinen Denkfehler enthält: Der Wert eines Hauses steht nur auf dem Papier, er ist fiktiv. Ob dieser bei einem möglichen Hausverkauf erziel wird, hängt vom Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ab.

Dass es den Bankern selber zu heiß wurde, kann man daran erkennen, dass sie die risikobehafteten Kredite bündelten und in Paketen an andere Banken verkauften. Die Ratingagenturen halfen beim Verkauf der Pakete durch eine gute Bewertung.

Andere Banken kauften die faulen Kredite zu Hauf ein! Dieses groteske Verhalten sei an dieser Stelle noch einmal wiederholt: Die Banken zahlten für faule Kredite, im Endeffekt also Verluste!

Es kam, was passieren musste. US-Bürger konnte ihre Kredite nicht mehr bedienen (in den USA ist der Zins bei Kreditverträgen variabel). Die Banken reagierten mit dem Versuch, die Häuser zu verkaufen. Doch durch das große Angebot an Häusern war keiner mehr bereit den ursprünglichen Preis zu bezahlen.

Da der Finanzmarkt internationalisiert wurde, haben sich auch deutsche Banken an den hochspekulativen Geschäften beteiligt. Sogar öffentliche Banken, die in der Regel klar definierte Ziele haben, mischten mit. So z.B. die IKB, die nach ihrem Selbstverstädnis eigentlich den Mittelstand fördern soll.

Die Leidtragenden der Finanzkrise sind fast alle, denn für das Milliarden-Rettungspaket von Bund und Ländern steht der Steuerzahler gerade. Darüber hinaus merken besonders Freiberufler, Klein- und Mittelstandsunternehmer, dass die Kreditvergabe von Seiten der Banken noch weiter eingeschränkt wurden.

Anstatt den Kapitalismus, eine bewährte Wirtschaftsordnung, zu kritisieren, sollte in den nächsten Wochen und Monaten darüber nachgedacht werden, wie raffgieriges Verhalten verhindert oder wenigstens vermindert werden kann. Eins ist nämlich klar: Die Raffgier scheint sich über den gesunden Menschenverstand vieler hinweggesetzt zu haben. Der Kapitalismus selbst ist ein "wandelbarer Kristall", wie bereits Karl Marx formulierte. Er erfindet sich immer wieder neu und so gehen im Fall der Finanzkrise Banken pleite oder werden von anderen aufgekauft.

 

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Eingestellt am: 18.10.2008

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