Der Vorteil des Internets: Man ist anonym. Dies wissen viele Nutzer zu schätzen, denn Anonymität bringt auch Macht mit sich und oftmals eine große Verlockung, diese Macht auszunutzen. Ein paar Mausklicks genügen und ein anderer Mensch wird an den Online-Pranger gestellt.
Die Täter verwenden für ihre Verleumdungen alles, was sie finden können. Sie veröffentlichen Bilder, Adressdaten und vieles mehr. Die Opfer sind meistens ahnungslos, bis sie es durch Zufall merken oder von anderen auf ihre Opferrolle hingewiesen werden.
Eine Internetplattform, die gerade dazu animiert, Mitmenschen an den Online-Pranger zu stellen, kommt aus den USA und nennt sich RottenNeighbor ("Verfaulte Nachbarn"). Auf der Website www.rottenneighbor.com* kann jeder, der sich dazu bemüßigt fühlt, seinen Nachbarn anonym kritisieren. Diese angeblich schlechten Nachbarn werden mit einem roten Häuschen auf einer Google Maps-Karte angezeigt (siehe Bild oben). Jeder Besucher der Plattform kann sich so angucken, was in seiner Umgebung los ist. Aber Achtung: Vielleicht entdeckt man auch, dass über einen selbst schon Unwahrheiten verbreitet werden.
Laut Selbstverständis der Betreiber möchte die Plattform Menschen helfen, die in naher Zukunft gedenken, umzuziehen. So hätten diese die Möglichkeit, sich vorab ein Bild von ihrer Nachbarschaft zu machen. Seit einiger Zeit werden zumindest in Amerika auch noch die Wohnorte von Sexualstraftätern aufgelistet!
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Eine andere beliebte Art der Selbstjustiz ist es inzwischen, Fake-Profile bei sozialen Netzwerken wie studiVZ, MySpace und Co. einzurichten oder bei YouTube Videos zu verbreiten, die gezielt dazu auffordern, das Opfer zu beleidigen. Wie eingangs erwähnt werden dazu Adressdaten wie beispielsweise die E-Mailadresse gleich mitgeliefert.
Man darf nicht vergessen, dass psychisches Gewalt im Gegensatz zu physischer Gewalt eine ganz andere Qualität von Grausamkeit darstellt: Bei physischer Gewalt kann man in den meisten Fällen die Narben sehen, während dies bei psychischer Gewalt nicht möglich ist! In Extremfällen spielt bei Opfern auch der Selbstmordgedanke eine Rolle. Eigenartigerweise gibt es gerade unter Heranwachsenden eine bedenkliche Entwicklung, so können Opfer sich nicht eines Mitleids ihrer Mitmenschen gewiss sein. Im Gegenteil: Sie werden für ihre Operrolle auch noch kritisiert, als wenn sie sich freiwillig für ihre Opferrolle entschieden hätten. Das ist wirklich diese Entwicklung gibt, belegt der Sprachgebrauch. So beleidigen junge Menschen andere Menschen gerne mit dem Ausspruch "Du Opfer".
Opfer sollten in jedem Fall eine Anzeige bei der Polizei erstatten, denn Menschen an den virtuellen Pranger zu stellen, ist kein Kavaliersdelikt. Nur durch eine Strafverfolgung lernen die Täter, dass ihr anonymes - letztendlich feiges Handeln - auch Konsequenzen haben kann. Es ist nämlich in den meisten Fällen ziemlich wahrscheinlich, dass sich die Täter in der Öffentlichkeit mit richtigem Namen nicht getraut hätten, eine solche Selbstjustiz auszuüben!
* Die Website ist nur schwer zu
erreichen. Ob die Betreiber selbst eine IP-Sperre für deutsche Internetnutzer eingebaut
haben oder deutsche Internet-Provider den Zugriff auf die Website sperren, ist
uns leider nicht bekannt.