Jeden Tag brechen E-Mailpostfächer, ob geschäftlich oder privat genutzt, unter der Last einer E-Mailflut zusammen. Die ersten Unternehmen haben reagiert und Dämme errichtet, um die die Flut wenigstens für eine kurze Zeit zu stoppen: E-Mailfreier Tag heißt die Lösung.
Früher besaß man ein Modem und man wählte sich mit diesem unter ohrenbetäubenden, fast außerirdisch klingenden, Geräuschen ein bis zweimal am Tag ein. Man öffnete das elektronische Postfach, um nach neuen E-Mails zu gucken oder welche zu schreiben. Zähneknirschend lud man größere Anhänge herunter und rumorrte umso mehr beim Versenden größerer Anhänge. Damals began die E-Mail sich als neues Kommunikationsmedium zu etablieren.
Das war früher. Heute hat sich die E-Mail etabliert und es ist fast schon soweit, dass Menschen ohne eigene E-Mailadresse gesellschaftlich stigmatisiert werden. Einzige Ausnahme bilden dabei die Alten, die keine Lust mehr hatten, sich mit dem Thema "Internet" auseinanderzusetzen. Breitbandanschlüsse und Flatrate-Tarife erlauben es heute, vierundzwanzig Stunden online zu bleiben und das nach Wunsch, an jedem Tag im ganzen Jahr. Die neuen Möglichkeiten haben einige Menschen aber auch zu Sklaven der Erreichbarkeit gemacht. Es gibt Menschen, die den Anspruch haben, immer und überall erreichbar zu sein.
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Die E-Mail hat noch kleine Geschwister, die vorallem bei jüngeren Menschen großen Zuspruch finden. Zu nennen sind Instant-Messaging, das Nachrichtenschreiben in Echtzeit über eine Software namens Instant Messenger oder das Nachrichtenversenden innerhalb von sozialen Netzwerken à la MySpace, Facebook und Co.
Existiert auf dem Computer ein E-Mailprogramm, so ist dieses meistens automatisch im Hintergrund auf Empfang. E-Mails werden alle fünf Minuten oder sogar minütlich abgerufen. Neue E-Mails machen sich meistens über ein Geräusch bemerkbar. Viele Menschen erhalten über den Tag verteilt 50 oder mehr E-Mails. Jedes Mal ertönt ein Signal. Wer dem sofortigen E-Mailnachschauen widerstehen kann, muss eine starke Körperbeherrschung besitzen. Jeder, der das E-Mailschreiben ernst nimmt, kennt den inneren Drang danach, nach neuen E-Mails zu schauen und sie zu lesen.
Viele besitzen sogar die Einstellung, E-Mails innerhalb kürzester Zeit zu beantworten. Wenn die Einstellung fehlt, kann es aber auch Pflicht sein: Oftmals müssen E-Mails beantwortet werden, damit der Absender schnellstmöglich eine Antwort erhält und weiterarbeiten kann.
Die Realität vieler am Arbeitsplatz und zu Hause sieht inzwischen düster aus: Unterbrechungsfreies Arbeiten ist fast nicht mehr möglich, denn immer und immer wieder trudeln neue E-Mails ein.
Weil die E-Mailflut keinen temporären Zustand, sondern eine permanenten darstellt, haben einige Unternehmen reagiert und e-mailfreie Tage eingeführt. An diesen Tagen wird im besten Fall ganz auf das Medium E-Mail verzichtet. Dies bietet für viele die Chance, endlich einmal zur eigentlichen Arbeit zu kommen. Erste Versuche haben ergeben, dass die e-mailfreien Tage zwar nicht zu weniger E-Mails, dafür aber zu mehr Produktivität führen.
Überprüft: Das Verb "stoppen" wird tatsächlich mit "pp" geschrieben. Das Stoppschild übrigens auch, wenngleich sich die typische Aufschrift ("Stop") nicht an die deutsche Rechtschreibung hält.