Der Jubel war groß, als am 4. November 2008 Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden ist. Zum ersten Mal in der jungen Geschichte der USA übernimmt damit ein Schwarzer das Sagen im Oval Office.
Und Deutschland? Wie reagiert Deutschland auf die Wahl? Allgemein sehr positiv. So ergab das jüngste ZDF-Politbarometer, dass 89 Prozent der Deutschen es begrüßen würden, dass Obama die Wahl gewonnen habe. Die Bundesregierung ist ebenfalls glücklich über den Wahlausgang, wünscht sich aber vom neuen Machthaber weniger Alleingänge und mehr Vernunft, was Klimafragen angeht. Kurz gesagt: Ein besseres transatlantisches Verhältnis.
Aber genau an dieser Stelle liegt der Teufel im Detail. Warum meint Deutschland den USA nacheiffern zu müssen, obwohl es genug eigene Probleme zu lösen gibt: Die Rettung öffentlicher und privater Banken mit Hilfe eines Milliarden-Rettungspakets, die aus der Finanzkrise resultierende Wirtschaftkrise und die Behebung eklatanter Mängel im Bildungssystem.
Seit jeher scheint der American Way of Life die Deutschen zu faszinieren. Besonders die US-Wahlen werden immer aufmerksam beobachtet, vielleicht auch, weil es im Volk einen insgeheimen Wunsch gibt: Der Wunsch nach authentischen Politikern, die in ihren Wahlkämpfen mit flammender Rhetorik auftreten. Rhetorik hat aber leider nur wenig Aussagekraft, wenn nach ihr nicht nennenswerte Taten folgen.
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Gerne wird auch versucht, amerikanische Erfolge zu kopieren. Mal geschieht dies mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Die Facebook-Kopie studiVZ/schülerVZ war ein Erfolg. Die C.S.I-Kopie R.I.S. (auf Sat1) nicht. Das Aufkaufen von faulen Krediten durch Banken war ebenfalls ein Fehler.
Gerne vergessen wird auch die Tatsache, dass Deutschland sich beinahe am Irak-Feldzug der Amerikaner beteiligt hätte. Nur den gerechtfertigten Volksprotesten und dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, der die Gunst der Stunde für seine Wiederwahl erkannte, sind zu verdanken, dass ein solches Desaster verhindert wurde. Nichtsdestotrotz verlieren immer mehr deutsche Soldaten in Afghanistan ihre Leben in einem Krieg, der von den Amerikanern begonnen wurde.
Der französische Dichter Jean Cocteau brachte schon im letzten Jahrhundert das verquere deutsche Selbstverständis auf den Punkt: "Amerika ist Amerika. Deutschland aber will Deutschland und außerdem noch Amerika sein."
Sicherlich ist es für ein Land, das historisch gesehen einen Sonderweg einschlug nicht immer einfach einen Platz in der Welt zu finden. Aber immer wieder einer untergehenden Weltmacht auf ihren Irrwegen zu folgen, ist auch falsch und somit ist der Trubel um den Bush-Nachfolger nur mit Vorsicht zu genießen!
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